Der schwarze Punkt

Nun hat das neue Jahr begonnen – für die Einen hoffnungsfroh und voller Enthusiasmus, für die Anderen voller Sorgen und Nöten… und für Menschen wie mich… irgendwo dazwischen.

“Früher“ war ich eine „Silvester-Partymaus“. Wann immer möglich, ging ich Silvester feiern. Die letzten Jahre waren schon ruhiger. Ein gemütliches Essen mit einigen befreundeten Paaren oder ein Spieleabend. Dieses Jahr war es im Wortsinn „still“. Keine Gäste, nur ein kleines Essen zu Zweit.

Ein paar Tage später kamen unsere engsten Freunde und stießen frierend mit uns auf der Terrasse mit Champagner an. Wir wünschten uns Glück, Gesundheit, Mut und Hoffnung. Unser Freund erzählte uns eine kurze Geschichte, die er gelesen hatte:

Ein Professor bat seine Studierenden, aufzuschreiben, was sie auf einem Blatt, das er ihnen zeigte zu sehen war. Es war ein weißes Blatt Papier mit einem kleinen schwarzen Punkt in der Mitte. Verwundert machten sich die Studierenden ans Werk.

Am Ende der Stunde verlas der Professor die Antworten: Alle hatten den Schwarzen Punkt beschrieben, die Position, seine Lage und Form, das Größenverhältnis und die Farbe.

Niemand hatte über der weißen Teil des Blattes geschrieben, der ja sehr viel prominenter war. Die Analyse des weisen Professors: wir haben ein weißes Blatt Papier (unser Leben) geschenkt bekommen um es zu benutzen und zu genießen. Wir konzentrieren uns aber immer auf die dunklen Flecken, obwohl sie im Verhältnis zum Rest des Blattes so winzig sind….

Seine weise Empfehlung: Nimm die dunklen Flecke wahr, aber richte deine Aufmerksamkeit auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente im Leben und teile sie mit anderen Menschen….

Nachdem unser Freund die Geschichte zu Ende erzählt hatte, schwiegen wir anderen drei einen Moment, starrten auf unser Glas in der Hand und kuschelten uns tiefer in unsere wärmenden Jacken. Dann stießen wir noch einmal an, leinten den Hund an und machten gemeinsam einen großen Spaziergang, redeten, lachten und planten und genossen unsere Freundschaft. Die schwarzen Punkte, die jeder von uns hatte, besprachen wir und freuten uns über die gemeinsame Zeit.

Ich wünsche Euch für das neue Jahr sehr viel weiß auf Eurem Blatt und das ihr es gut nutzen könnt!

Exit

Das Jahr endet…. wir suchen den Ausgang…. aus der Corona Pandemie, aus dem ganzen Nervkram, der damit zusammenhängt, aus der Einsamkeit, die uns der R-Faktor aufnötigt. Anfang diesen Jahres kannten wir all diese Begriffe gar nicht. Nun sind sie aus den Nachrichten nicht mehr herauszuhalten. Auch ich bin zum „Zahlen-Junkie“ geworden. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht auf verschiedene Dashboards und die RKI Seite schaue.  Mich nervt das… aber ich kann nicht anders.

Und dann kam Weihnachen. Schon im Vorfeld war ich beunruhigt, da ich in meinem Umfeld als „Weihnachts-Grinch“ verrufen bin. Nicht zu unrecht. Ich bemühte mich aber, wie jedes Jahr, so etwas wie Freude aufkommen zu lassen. Ich war zu mindestens nicht einsam. Auch wenn Eltern, Schwiegereltern und Sohn nicht da waren. Virtuell begegneten wir uns dennoch und in Liebe sind wir ja sowieso immer vereint.

Weihnachten ist bei uns traditionell „Spielezeit“…. und das solange mein Sohn auf der Welt ist. Als er noch klein war, war es das Spiel mit den bunten Steinen aus Dänemark. Später dann Brettspiele. Mal in größerer Runde, mal in kleinerer. Dieses Jahr sollte es auch so sein, obwohl wir „nur“ zu Zweit waren. Viele waren vielleicht schon mal in einem „Escaperoom“. Ich nicht. Es geht darum gemeinsam einen Ausgang/Exit zu finden. Die „Zuhause-Version“ ist eine Art Brettspiel. So Eines lag schon länger ungenutzt bei uns. Wir wollten es immer mal mit Freunden spielen, denn spielen macht am meisten Spaß, wenn man liebe Menschen um sich hat. das ergab sich aus bekannten Gründen dieses Jahr eher nicht. Trotzdem starteten wir zu zweit und ich war schwer begeistert. Es galt Rätsel zu lösen, um aus einem Museum wieder herauszukommen. Dabei half den „Gehirnschmalz“ von uns Beiden zu bündeln. Und das klappte ganz prima. Denn jeder von uns Beiden hat andere Fähigkeiten und so konnten wir zügig kombinieren und den „Exit“ finden. Das gelang durch Teamarbeit!

Die Verballhornung des Wortes, das dieser Tage immer wieder durch die Presse geistert ist „Brexit“- Der Ausstieg der Briten aus der EU…. Nun ist es eine Binsenweisheit, wenn man sagt, das einem jeden Ende auch ein Anfang innewohnt. Oder dass sich eine neue Tür öffnet, wenn sich eine alte schließt…. Das wollen wir doch alle in jeder Beziehung glauben. Auch für die Briten.

Ich denke, dass sich in diesem Jahr besonders viele Menschen einen Ausgang aus dem Jahr und der schwierigen Situation persönlich, beruflich, emotional und überhaupt – wünschen.

Mir geht es genauso. Ich bin froh, das dieses Jahr zu Ende geht. Ich bin froh, dass etwas Neues beginnt. Ich bin froh, das der Weg aus der Pandemie durch impfen möglich erscheint und ich bin froh, das alles trotz Erschwernis erlebt haben zu dürfen. Mir wäre so einiges entgangen: Zusammenhalt, Solidarität, schnelle und spontane Hilfe, Bewunderung für die Haupt-und ehrenamtlichen Helfer im Gesundheitswesen (obwohl da auch noch „viel Luft nach oben“ wäre), Freundschaft und Liebe und Vergebung.

Ich wünsche Euch Allen ein wirklich wundervolles, gesundes und glückliches Neues Jahr, in dem wir jeden Ausgang als hoffnungsvolle Chance begreifen können (auch wenn es nicht immer leicht fällt) und Ihr liebe Menschen an Eurer Seite habt!

Tschüss 2020! Willkommen 2021!

Gastbeitrag von Manfred Horn

 

Weihnachten – das Fest der Liebe

Die Weihnachtszeit gilt uns als Zeit der Freude, der Besinnlichkeit und der Nächstenliebe – so die abendländische Christfest-Philosophie.

Wer sich im Freundes- und Bekanntenkreis um tut unter jenen die Feierlichkeiten für die eigene Familie oder im Betrieb organisieren, könnte anderer Meinung sein.Ohnehin ist die Weihnachtszeit ja nicht mehr auf den engen Rahmen des Jahresendzeitraumes beschränkt. Nein, spätestens ab September beginnt in den Discountern die Schlacht um die himmlischen Festtagssüßwaren und wenig später um den Christbaum- und Hausschmuck.

Täglich wird uns dann diese Weihnachtszeit allgegenwärtiger… es ist die Zeit des Wichtelns, des Gänseessens, die Zeit, in der die Onlinegeschäfte E-Mails schicken mit: „Wir-haben-Empfehlungen-für-das-Fest“, es ist die Zeit, in der Straßen, und öffentliche Verkehrsmittel ebenso überfüllt sind wie Kaufhäuser. “Wen wundert es da, dass manch einer allergisch auf so viel heiligen Wahrnehmungsoverload reagiert. Eine unserer Freundinnen zeigt ganzjährig diese Übersensibilität gegenüber jeglicher Form von Andeutung die sich mit dem W-Wort Weihnachten bildet lassen. Spätestens mit dem ersten Erklingen von „Last Christmas“ im Radio ist dann die akute traumatische Phase erreicht.

Gestärkt wird diese Alltagswahrnehmung durch allerlei gesicherte Fakten, da liest man davon das Psychotherapeuten und Beratungsstellen Sonderschichten für die Weihnachtszeit einplanen. Viele fühlen sich durch die Weihnachtsvorbereitungen gestresst. In Befragungen gibt rund ein Drittel an, dass sie vor Heiligabend zu viel Arbeit und Stress haben. Dennoch versuchen Familien „alle Jahre wieder“, wenigstens an Weihnachten ein wenig traute Familienzeit zu erleben. Unermüdlich bemüht sich seit Jahren Chris Rea mit
driving home for Christmas“ uns in besinnungslose Besinnlichkeit zu lullen. Doch spätestens im ersten Stau ist es damit dann auch vorbei.

Die Anspannung und der Stress zu wohlfeilem Familienverhalten – wenigstens einmal im Jahr – bleibt einfach nicht ohne Folgen – ja sie schlagen einem Buchstäblich auf den Magen wie es nun wissenschaftlich belegt ist.
So musste ich lesen, das niederländische Forscher nachweisen konnten, dass insbesondere das Weihnachtsessen bei den Schwiegereltern zu deutlich „weniger Darmbakterien führt, die uns gegen Stress und Depressionen“ schützen. Ob der Stress wirklich vom Essen bei den Schwiegereltern herrührt, dass trauten sich die Forscher allerdings nicht zu behaupten. O-Ton: „Ich denke, wir sollten sehr vorsichtig mit unserer Interpretation sein.“

Klar – auch Forscher haben Schwiegereltern oder sind im Zweifelsfall selber welche! Außerdem wissen wir ja alle, wie schnell gerade an Weihnachten die Stimmung kippen kann. So ist es „kein Wunder“, dass gerade an Weihnachten die Zahl der Gewalttaten in deutschen Familien einen Höhepunkt erreicht. So gehen zum Beispiel in der Weihnachtszeit in Frauenhäusern 40 Prozent mehr Notrufe ein als sonst.

Von wegen also „Süßer die Glocken nie klingen“ und „leise rieselt der Schnee“!

Doch warum ist das so? Haben wir nur alle das Zeichen der christlichen Weihnachtsbotschaft nicht recht verstanden? Es war doch alles so einfach:

Die Krippe, Windelein so schlecht,

Da findet ihr das Kind gelegt“

Die Geburt Jesu vor über zweitausend Jahren ist das Epizentrum dieses christlichen Familienverständnisses und die Heilige Familie wurde so zu sagen über Nacht zur alljährlichen Vorlage des heiligabendländischen Familienbildes.

So weit so gut, könnte man denken! Stutzig mach es mich aber schon, dass es sich dabei bereits um einen Vorgriff auf die moderne Kleinfamilie mit durchschnittlich einem Kind handelt. Dies kann man wohl nur als göttliche Weitsichtigkeit verstehen. War doch die typische Familienstruktur und Größe zu Zeiten Jesu Geburt sicher eine andere. Aber dies sei nur am Rande erwähnt.Wie dem auch sei – seit damals sind diese Bilder wirksam und dies gilt vor allem in der Weihnachtzeit. Das deutsche Weihnachtsliedgut spricht doch eine eindeutige Sprache über die
o so „fröhliche, selige und gnadenbringende Weihnachtszeit!“ oder haben wir da etwas missverstanden? So lasset uns noch einmal gut zu hören!

Die zunächst „stille Nacht“ – „heilige Nacht“ in der „alles schläft“ und „einsam nur das traute hochheilige Paar wacht“ ist bereits damals nur von kurzer Dauer. Schon bald wird die Ruhe gebrochen vom „jauchzen der himmlischen Heere“ die sich zum Fest eingeladen fühlen. So heißt es doch „kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frau ‘n!“ ihr „Kinder, Vater und Mama, auch sogar der Großpapa, Alle, alle sind wir da“ Ja von nah und fern ja gar „Vom Himmel hoch, da komm sie her“.

Nun bloß kein falsches Wort! Und so rät der Weihnachtschor zur Begrüßungsformel: „Sei mir willkommen, edler Gast!“ und zu manch baulicher Veränderung „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

Des lasst uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein“ erwidern da die Gäste. „Fürchtet euch nicht!“ singen sie uns zu, wir kommen, „bring‘ und schenken dir“ „bunte Lichter, Silberzier, Schaf und Stier, Zottelbär und Pantertier, …eine schöne Eisenbahn, Bauernhof mit Huhn und Hahn, einen Pfefferkuchenmann

Das so mancher bei dieser Geschenkeflut denkt „Warten dein mit Schmerzen“ wird nur kurz erwähnt, weiß man doch heute zum Glück „was du mir hast gegeben“ geh´ ich – morgen schon – umtauschen.

Da klingt es dann fast wie ein Stoßgebet, wenn es an anderer Stelle heißt: „Nun soll es werden Friede auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen“. Vielmehr verhalt das Flehen an die Verwandtschaft „Ach zieh mit deiner Gnade ein“ und sei „ ein Helfer wert; Sanftmütigkeit sei Euer Gefährt und Barmherzigkeit Eurer Zepter und all unsre Not komme so zu einem End“.

Ich beginne zu begreifen, dass jene, die uns die Weihnachtslieder überlieferten, eine Botschaft zwischen den Zeilen hinterlassen haben. Der Frieden und die Gnade der Weihnachtszeit liegt einzig in der Geburt Jesu, denn „Es ist der Herr Christ, unser Gott,
Der will uns führn aus aller Not
“.
Alle anderen Geister, die ich rief, ob Hirten, Heilige Drei Könige, Bruder, Schwester, Eltern, Schwiegereltern oder Großeltern sind letztlich nur Komparsen im alljährlichen heimatlichen Krippenspiel und nicht der Kern der Friedensbotschaft. Es bleibt sich immer wieder nur zu wünschen:

„Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.“
 

Frohe und gesegnete Weihnachten