Endless summer

Es ist viel passiert in dem schier endlosen Sommer, der immer noch anhält und ohne den ich mir gar nicht vorstellen kann zu sein….

Eine dramatische Situation mit den kranken Eltern, mein neustes Buch ist erschienen, neue Menschen sind mir begegnet, ein wundervolles Wochenende mit einer seelenverwandten Freundin auf Wangerooge, ein toller Urlaub in Franken mit schönen Wanderungen, ein Treffen mit dem besten Sohn der Welt und eine grandiose Buchmesse in Frankfurt.

Jedes einzelne Erlebnis war genau das – ein Erlebnis! Dazwischen ein Kontrolltermin beim Onkologen, der beim Betrachten der Bilder sagte:”…als wäre nie etwas gewesen!” Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte, denn meine Narben sprechen von einer anderen Geschichte. Aber vielleicht war wirklich nie irgendetwas… Jedenfalls nichts Besonderes…! So ist eben das Leben. Höhen und Tiefen, lachen und weinen, Angst und Hoffnung. Dazwischen: Leben!

Ein endloser Sommer, der mich ächzen ließ, der schöne Abende auf der Terasse mit Wein und Freunden beinhaltete und der von neuen Begegnungen, Veränderungen und Leben kündete.

Veränderungen, die schön sind und mich neuen Projekten zuführt. Schreiben – meine neue, alte Leidenschaft, die mehr oder weniger zu meinem Beruf geworden ist.

Beim Besuch bei meinem Sohn zeigte er mir seinen neuen Bogen. Er erklärte mir, wie man ihn hält, spannt und das Ziel an fixiert. Symbolhaft. Mal wieder. Erstens, dass ich diesesmal von meinem Sohn lernte (und nicht umgekehrt, was glücklicherweise viele Jahre mein “Job” war) und zweitens, das ich begriff, dass es gut ist ein Ziel vor Augen zu haben, der Bogen aber nicht immer ins Schwarze trifft.

Gefühlt treffe ich oft ins Schwarze. Denn mein Leben ist reich – ein Hauptgewinn! Manchmal habe ich aber auch keine Kraft den Bogen überhaupt zu spannen. Dann bleiben meine Pfleile im Köcher. Und warten. Darauf, das sie ihrer Bestimung zugeführt werden. Das braucht seine Zeit und Ruhe das Ziel an zu peilen. Wenn ich dann nicht treffe bin ich traurig und enttäuscht. Zu Glück habe ich die Möglichkeit es erneut zu versuchen, mich besser zu fokussieren und ent- bzw. gespannt (im Wortsinn) neu zu zielen.

Der endlose Sommer ist schön aus meiner Perspektive. Ich weiß, dass er für Andere nicht so schön war. Das Dinge passiert sind, für die mir die Worte fehlen. All diesen Menschen wünsche ich Kraft, Mut und Segen, ihren Bogen neu zu spannen, ihre Pfeile zu justieren und ein Ziel vor Augen zu haben… In diesem endlosen Sommer!

Sommerstille

Lange war der Sommer warm und wunderschön und eigentlich nicht still. Grill- und Gartenfeste, runde Geburtstage und Silberhochzeiten, Kindergeburtstage und viele Anlässe das Leben zu feiern. Mir war es offengestanden fast ein bisschen viel. Zuwenig Stille. Manchmal habe ich es sehr gerne meine Ruhe zu haben…

An einem sehr warmen Sommerabend, als ich mit Freunden im Biergarten saß (und Wein trank) erreichte mich ein aufgeregte Anruf. Ein häuslicher Unfall war passiert und meine Mutter lag im Krankenhaus. Natürlich ließ ich alles stehen und liegen und fuhr sehr früh am nächsten Tag in meine etwa 150 Kilometer entfernte Heimat.

Eine Op stand an und die häusliche Versorgung musste organisiert werden. Da ich einen umfangreichen fachlichen Hintergrund habe, konnte ich alles relativ unbürokratisch und schnell organisieren (obwohl es eigentlich Unterstützung aus dem Krankenhaus hätte geben müssen).

Als ich dachte, etwas Ruhe würde einkehren, wurde mein Vater drei Tage später notfallmäßig operiert und lag dann instabil eine Woche in dem gleichen Krankenhaus wie  meine Mutter auf der Intensivstation.

Es war weiterhin sehr heiß in diesen zwei Wochen, die so turbolent, nervenaufreibend und von Angst und Sorge geprägt waren, das ich dachte, das mich das Leben gerade rechts überholt und ich nur noch hinterher schauen kann. Dennoch hatte ich das Gefühl, der Rest der Welt war wie paralysiert, gelähmt von Hitze und Lethargie – vieles erschien mir wie in Zeitlupe gedreht….still…

Vielleicht ist es meinem beruflichen Hintergrund auf der Intensivstation geschuldet, dass ich in stressigen Situationen “einfach funktioniere”. Natürlich schlief ich schlecht und zu wenig, konnte kaum essen und nicht mal die Nachrichten interessierten mich. Meine kleine Welt war für gut zwei Wochen die Station auf der meine Mutte lag und die Intensivstation. Nun kenne ich das “Universum” Krankenhaus als Mitarbeiterin, als Patientin und jetzt auch als Angehörige. Und aus jeder dieser Perspektiven ist es eine andere Welt.

Ich hatte viele Begegnungen mit Menschen, die im Krankenhaus arbeiten und mich wahrscheinlich als nervige Angehörige wahrnahmen – Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und Verwaltungsmenschen. Manche Gespräche waren freundlich, manche hilfreich, manche ärgerlich und manche überflüssig – aber immer lehrreich. Und natürlich dachte ich an viele Begegnungen, die ich früher mit besorgten und verängstigten Angehörigen hatte. Manche von ihnen waren still und sagten oder fragten nichts… Sie wurden von mir übersehen. Das bedaure ich heute, denn ich habe gelernt, dass still sein auch ein rufen, bitten oder fragen nach Hilfe sein kann…

Manchmal war es in dieser Zeit sehr still in mir….

“Extreme Notlagen”…

 … sind kein Grund, selbstbestimmt sterben zu dürfen, so titelte „Spiegel online“ (www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/suizidbeihilfe-erhalten-keine-totbringenden-medikamente-a-1215871.html) kürzlich.

Das Gesundheitsministerium hat Anträge dieser Art untersagt. Darüber kann und darf jeder seine eigene Meinung haben.

In meinem neuen Buch „Pia Hadely – Als meine Sonne unterging. Der Suizid meines totkranken Mannes“ geht es genau um diese Fragestellung. Wer darf über sein Leben und dessen Beendigung entscheiden? Das Bundesgesundheitsministerium, das Grundgesetz (Die Würde des Menschen ist unantastbar…) oder jeder für sich selber?

Die Beantwortung der Frage ist schwierig und erst einmal nur theoretisch zu beantworten. Denn eine wirkliche Entscheidung darüber kann man wohl nur treffen, wenn man (leider) in genug so einer Situation ist, in dem einem das Leben schwerer erscheint, als der Tod.

Es ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. Was können wir als Angehörige, Nachbarn, Freunde, Gemeinde und regional tun, das sich Menschen für das Leben entscheiden? Welche Hilfen und Unterstützungsmaßnahmen können wir in Not geratenen Menschen anbieten, dass sie nicht aus Einsamkeit, Schmerzen, der Angst zur Last zu fallen oder mangelnder Pflege lieber den Tod als das Leben wählen?

Der Mann von Pia hat in meinem Buch den Tod gewählt – auf schreckliche Art und Weise. Es ist eine wahre Geschichte, die so oder ähnlich sicher kein Einzelfall ist. Das Thema Suizid und selbstbestimmtes Sterben ist nach wie vor ein Tabu, denn wer von uns hat je in einer Todesanzeige gelesen „…er tötete sich selbst“ oder “…sie brachte sich um“? Wir sollten uns nicht von dem sogenannten „Werther Effekt“ (nach „Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe) abschrecken lassen, der impliziert dass das darüber reden „Folge-Suizide“ auslöst. Tatsächlich gab es nach dem Suizid des Fußballers Robert Enke einen deutlichen Anstieg von Schienen-Suiziden. Aber Lösungen können nur gefunden werden, wenn wir darüber sprechen.

Zum Glück zeigt sich eine Tendenz zur öffentlichen Diskussion, wie der Artikel und mein neues im August erscheinenden Buches zeigt.

Fazit: Lasst uns darüber reden!