Wasser des Lebens

Ich war Anfang 17, als ich das erste Mal in Schottland war und natürlich zu jung. Mit Mitte Zwanzig war ich wieder für längere Zeit in Schottland und dieses Mal durfte ich das “Wasser des Lebens” probieren. So nennen die Schotten ihren Single Malt Whisky. Um so genannt werden zu dürfen, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Das Wasser des Lebens muss aus einer einzigen Brennerei sein und ausschließlich aus gemälzter Gerste (weiss Wikipedia). Und wer hat es erfunden? Nein, nicht die Schweizer sondern die Mönche in Schottland (1494 das erste Mal urkundlich erwähnt) zu überwiegend medizinischen Zwecken – Wasser des Lebens eben….

Dahinter steckt eine wahre Philosophie, ähnlich wie beim Wein…. Naja, echte Whisky-Kenner schreien jetzt sicher auf… Jedenfalls gibt es viele verschiedene “Noten” beim Geschmack der verschiedenen Whiskysorten und auch die Herkunft spielt eine Rolle… Und eben auch besagtes Wasser, das zur Herstellung benutzt wird. Ich bin wahrlich kein Experte, bestenfalls eine Genießerin, aber tatsächlich ist Whisky das einzige alkoholische Getränk (außer Wein) was ich gelegentlich in homöopathischen Dosen trinke.

Nein! Never ever darf man Single Malt “verdünnen” – nicht mit Eis oder schlimmer noch mit Cola oder anderem… Geht gar nicht und kommt bei eingefleischten Kenneren einem Sakrileg gleich. Wichtig ist ebenfalls die (Raum)-Themperatur, das Glas und die Menge (Daumenbreit), damit sich der Geschmack, bzw. die Note richtig entfaltet.

Mein Mann brachte von einer Auslandsreise den von mir lange gewünschten Talisker von der Insel Skye mit. Eine “Spezial Edition”, die ich gleich googlen musste. Dabei stieß ich auf mehrere Foren, wo Whiskys “besprochen” werden. Offensichtlich von ausgesuchten Spezialisten, wir mir die tausendfachen Klicks verrieten. Die Besprechung dauerte geschlagene 25 Minuten. In der Zeit hatte ich das erste Glas genossen. Und mein Fazit war stumpf: sehr, sehr lecker. Besagter Spezialist fand blumigere Worte dafür, aber erst einmal zelebrierte er das Eingießen, den Geruch (schauriges schnüffeln) und dann den ersten Schluck…. Hin- und hergeschwenkt von einer Wangentasche in die nächste (ihhhhh), lautes gurgeln (ahhhhh) und zum Glück anders als beim Wein… Deutlich hörbares schlucken (ohhhhh).

Dann setzte er zu seiner “Interpretation” des Geschmacks an….. bei “leicht rauchig im Abgang” ( ja, dass fand ich auch) goss ich mir ein zweites Glas ein (und dabei blieb es dann auch!) und bei der Formulierung: “…eine leichte johannisbeerartige, blumige Note” musste ich schon laut lachen, denn das schmeckte ich definitiv nicht, denn der Taliker hat 48%… Bei der abschließenden Aussage: “… man schmeckt die metallische Jugend…” schaltete ich das Video aus und nahm einfach einen  Schluck und ließ  ihn langsam (ohne Geräusch!) meine Kehle hinunter fließen. Ich bleibe bei meiner Bewertung: “Hmmmm, lecker!”

Corinna-Carrie

Sich in meinem Alter mit einer Filmfigur zu identifizieren ist natürlich völliger Quatsch! Dennoch inspiriert mich die Figur von Carrie Bradshaw aus der amerikanischen Serie “Sex and the City” nicht nur bei Schuhen und Mode, sondern auch weil sie eine Kolumne (für den “New Yorker”) schreibt. Und meine Blogs verstehe ich eben auch ein bisschen als Kolumnen….

Naja, trotzdem hat ihr und mein Leben so gar nichts mit einander zu tun …. Denn ihres ist ja fiktiv und meines ist sehr real. Ein Glück! Ich ließ kürzlich Fotos bei einer tollen Fotografin machen und mein Lieblingsbild ist einem Motiv aus der Serie entliehen. Es passt aber gut, da mein Arbeitsmittel, das ich jeden Tag nutze um einer meiner Lieblingsbeschäftigungen – dem Schreiben- nach zu gehen, in den Fokus rückt. Dass ich dann auch noch passenderweise recht motiviert “aus der Wäsche gucke”, ist der Animation der Fotografin Meike zu verdanken. Es ist nämlich “richtig” Arbeit, sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Um auf Carrie zurück zu kommen… sie hat drei Freundinnen: Samantha, Miranda und Charlotte. Sie stehen füreinander ein, telefonieren dauernd und ständig, sind ehrlich zueinander, aber dabei immer absolut loyal! Eine weitere Paralelle: ich habe ebenfalls zwei solche Freundinnen:Ulrike und Astrid. Ich kann jederzeit auf sie zählen, wir wissen voneinander, kennen unsere Stärken und Schwächen, haben immer etwas zu lachen und halten zusammen. Vor ein paar Tagen trafen wir uns spontan zum Mittagessen und aus einer kurzen Mittagspause wurden drei Stunden. Zwei Stunden später telefonierte ich noch einmal mit Ulrike, weil wir etwas “vergessen”  hatten, als im gleichen Augenblick Astrid bei ihr auf den Parkplatz fuhr…. “Schwestern im Geist”… sagen unsere Männer immer etwas amüsiert. Aber solche Frauen-Freundschaften können wohl nur Frauen verstehen. (Sorry, wenn ich mit dieser Aussage etwas “politisch unkorrekt ” bin.)

Nein, die gemeinsame Vorliebe für Schuhe bei Carrie und mir will ich lieber nicht weiter thematisieren. Da spiele ich auch nicht in ihrer Liga: Manolo Blanic, Prada, Dolce und Gabana, Louboutin…. Nicht meine Preisklasse. Aber Schuhe mit hohen Absätzen liebe ich ebenfalls sehr.

Und ich mag große Städte, auch wenn ich nicht in New York sondern in einer kleinen Kreisstadt lebe. Ich habe aber die grundsätzliche Freiheit, nach Hamburg, Berlin oder München zu reisen, was ich auch häufiger tue.

Weitere Ähnlichkeiten gibt es glaube ich nicht. Denn Carrie ist in allen 6 Staffeln auf der Suche nach “Mister Right”. Den habe ich bereits in meinem Ehemann Ralf gefunden. Und ich habe mich auch anders als Carrie für ein Kind – meinen Sohn Malte, der allerdings schon erwachsen ist – entschieden.

Fazit: Ich möchte gar keine Filmfigur sein, denn mein Leben ist viel toller, als es sich Hollywood je erdenken könnte.

Pokémon GO

Im Moment gibt es wirklich sehr wichtige Themen – in den Medien hagelt es Katastrophen: Nachrichten von Krieg, Vertreibung und Terror, der verrückte US-Wahlkampf und Olympia…. Und zeitgleich sind viele Menschen – junge wie alte – auf der Jagd…. So wie ich.

Wenn irgendwo am Horizont ein neuer “Hype” auftaucht, bin ich sicher dabei. Solche Dinge begeistern mich sofort und ich muss es ausprobieren… weil ich mir meine eigene Meinung bilden möchten. Und das kann ich nur, wenn ich selber Erfahrungen sammle. Binnen kürzester Zeit habe ich die App für “Pokemon GO” heruntergeladen und ärgere mich, dass ich mich wegen Serverüberlastung nicht gleich einloggen kann. Ein paar Stunden später klappt es und ich darf als erstes meinen Avatar erstellen. Das finde ich schon mal sehr gut, da ich zwischen verschiedenen Outfits wählen kann.

Mein Sohn hat vor fast 15 Jahren schon Pokemon (ich nenne sie in der Mehrzahl ” Pokemänner”) gesammelt. Allerdings als Papierkarten. Und auf einem Nintendo. Und als Figuren und was weiß ich, was es noch so alles gab. Jedenfalls wurden Stunden mit sortieren, sammeln und spielen mit anderen Pokemon-infizierten Kumpeln verbracht. Ich habe das Spiel schon damals nicht verstanden, wusste aber, dass man die “Pokemänner” weiterentwickeln kann.

Nun sehe ich in der Stadt viele Menschen, die gebannt auf ihr Handy starren, herumlaufen und mit ihren Kumpeln “Pokemänner” jagen und augenscheinlich Spaß an der frischen Luft mit viel Bewegung (man mus zwei Kilometer laufen um ein Poke-Ei auszubrüten) haben. Daran kann ich nichts Schlimmes finden…. Allerdings wurden ich und mein Hund schon mehrfach umgelaufen, da der Blickwinkel sehr eingeschränkt ist, wenn man auf sein Handy starrt… Ärgerlich!

Ich bin mir sehr deutlich bewusst, dass ich viel Zeit mit “unnützem” Kram verbringe; Internet-Daddelei, “Social media”, Fernsehen gucken mit amerikanischen (Krankenhaus)-Serien und durch Schuhläden bummeln. Aber das ist auch ein Teil meines Alltags. Und was heißt schon unnütz? Es ist eben meine Zeit und dafür muss ich mich vorläufig nur vor mir selber rechtfertigen. Ich erwähne sehr oft, dass ich von “Begegnungen” partizipiere. Und wenn es eben über soziale Netzwerke ist oder im Schuhgeschäft, so hat vielleicht auch das seine Berechtigung. Und wenn man gemeinsam mit Freunden virtuellen Wesen hinterherjagt, ist das doch auch eine Form von Begegnung. Es muss ja nicht für jeden passen… Ich hatte kürzlich jedenfalls einen nette Begegnung wegen der “Pokemänner”, weil ich mir auf Grund der Abwesenheit meines Sohnes von ein paar anderen coolen Jugendlichen erklären lassen habe, wie das mit der “Poke-Arena” geht. Und sie waren sichtlich amüsiert, dass ich mich damit beschäftige, halfen aber bereitwillig (vielleicht haben sie auch Müter, die auf der Jagd sind…). Jedenfalls war es eine nette Begegnung mit den gut gelaunten jungen Menschen.

Fazit: Zeit ist sehr kostbar. Aber wie wir sie nutzen bleibt uns überlassen und manchmal entsteht auch aus vermeintlich “verschwendeter” Zeit eine besonder Begegnung….